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Gemeinsame Pressemitteilung des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Universitätsstadt Marburg - Gewalt kommt mir nicht in die Tüte - Erste hessenweite Brötchentütenaktion 2010

(Pressemitteilung Nr. 432/2010 vom 20.11.2010)
Marburg-Biedenkopf/Marburg - 1,2 Millionen Brötchentüten mit dem Aufdruck „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“ werden ab Samstag, dem 20. bis Samstag, dem 27. November 2010 über die Verkaufstheken von Hessischen Bäckereien gehen. Anlass ist der 25. November, der Internationale Tag „Nein zu Gewalt an Frauen“. Seit 1981 setzen sich jährlich an dem Aktions- und Gedenktag Menschen für ein Ende der Diskriminierung sowie jeder Gewalt an Frauen ein, teilten Landrat Robert Fischbach und Oberbürgermeister Egon Vaupel mit.

Die Auftaktveranstaltung am 19. November in Wiesbaden mit Staatssekretärin Petra Müller-Klepper vom Hessischen Sozialministerium leitet die Brötchentüten-Aktionswoche ein. In 21 Landkreisen und kreisfreien Städten haben Frauenbeauftragte die erste hessenweite Brötchentütenaktion vorbereitet – gemeinsam mit dem Bäckerinnungsverband Hessen, dem hessischen Sozialministerium, mit Netzwerken gegen häusliche Gewalt und den örtlichen Bäckereien. In unserer Region haben das Gleichberechtigungsreferat der Universitätsstadt Marburg, mit der Bäckerinnung Marburg und das Frauenbüro des Landkreises mit der Bäckerinnung Biedenkopf, unterstützt von vielen Kooperationspartnern wie Gleichstellungs- und Frauenkommission von Stadt und Kreis und Vertretungen des Runden Tischs „Keine Gewalt gegen Frauen und Kinder im Landkreis Marburg Biedenkopf“ die Aktionswoche organisiert.

Um bestehende Hilfsangebote bekannter zu machen, sind Informationen zu den regionalen Hilfseinrichtungen wie beispielsweise dem Frauenhaus und regionale Adressen von Beratungsstellen auf der Rückseite der Brötchentüte aufgedruckt. Die Rückseite sieht in jeder Region anders aus. Die Vorderseite der über eine Million Brötchentüten ist hessenweit mit „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“ und „Gewalt in der Familie und in anderen sozialen Beziehungen ist keine Privatsache“ bedruckt. 16 Bäckereien mit rund 70 Verkaufsstellen haben in den Bäckerinnungsbezirken Biedenkopf und Marburg allein 77.000 Brötchentüten für die Durchführung der Aktion bestellt.

Begleitend zur Aktion liegt in allen Bäckereien der neu erstellte Flyer „Nein zu häuslicher Gewalt“ aus. Hier erfahren alle Interessierten - ob Betroffene oder Menschen, die helfen möchten – ausführlicher, was genau getan werden kann und was dabei zu beachten ist. Das Frauenbüro des Landkreises nimmt unter 06421/405-1311 gerne Bestellungen entgegen und sendet auch größere Mengen zum Auslegen zu.

Zum Auftakt am 20. November fand sowohl im Landkreis als auch in Marburg jeweils eine Informationsveranstaltung mit Brötchenverkauf in einer Bäckerei statt. Oberbürgermeister Egon Vaupel, Michael Wagner, Obermeister der Bäckerinnung Marburg, die Vorsitzende der Gleichstellungskommission Dr. Marlis Sewering-Wollanek und Christa Winter, Leiterin des Gleichberechtigungsreferates der Universitätsstadt Marburg reichten die Frühstücks-Teigwaren in der Bäckerei Wagner in Marburg über die Theke.

Oberbürgermeister Egon Vaupel freut sich, dass dieser neue Weg der Informationsverbreitung Menschen erreicht, die sonst vermutlich wenig über die Hilfsangebote erfahren hätten und bedankt sich bei allen Kooperationspartnerinnen, allen voran der Bäckerinnung.

In Dautpetal-Holzhausen wurde der offizielle Startschuss mit Brötchenverkauf und weiterführenden Informationen für den Landkreis durch Landrat Robert Fischbach, Bürgermeister Bernd Schmidt (Gemeinde Dautphetal), Klaus Heck (Obermeister der Bäckerinnung Biedenkopf) und der Frauenbeauftragten des Landkreises Claudia Schäfer, unterstützt von Mitgliedern des Runden Tisches gegen Gewalt in der Bäckerei Leinweber übernommen. In seinem Wohnort hatte Robert Fischbach beim Brötchenverkauf sozusagen ein Heimspiel und konnte direkt mit den Kunden ins Gespräch kommen. Auch für ihn ist das hervorragende Zusammenwirken aller Beteiligten beispielgebend. Er freut sich besonders darüber, dass sich in einigen Städten und Gemeinden des Landkreises während der Aktionswoche auch Bürgermeister und Frauenbeauftragte mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen in den Bäckereien vor Ort engagieren.

Die Brötchentütenaktion dient gleichermaßen der Prävention und Information über Hilfen für Opfer von Gewalt. Sie holt häusliche Gewalt aus dem Privatbereich heraus und thematisiert sie in der Öffentlichkeit und im Alltag, erklärten der Oberbürgermeister und der Landrat.

Am 23. November von 11.00 bis 13.00 Uhr informieren alle Veranstalter gemeinsam die Öffentlichkeit auf dem Marburger Marktplatz und machen ebenfalls mit einem Brötchenverkauf darauf aufmerksam, dass häusliche Gewalt keine Privatsache ist. Diese Aktion hat Christa Winter organisiert und dabei als „Hingucker“ eigens eine überdimensionale Brötchentüte aus Pappmaché herstellen lassen.

Seit der Einführung des Gewaltschutzgesetzes im Jahre 2002 wurden hessenweit bis zum Jahr 2009 53.411 (1) Fälle von häuslicher Gewalt polizeilich erfasst. Die Dunkelziffer liegt bei diesen Delikten aber deutlich darüber. Die Opfer sind meistens weiblich (86,7% (2)). Auch Kinder sind betroffen. Untersuchungen zeigen, dass Frauen im Schnitt sieben Jahre in einer Gewaltbeziehung leben, bevor sie Hilfe suchen.

Der Anstieg um 3,7 % von 7.271 Fällen im Jahr 2008 auf 7.541 (3) Fälle häuslicher Gewalt im Jahr 2009 in Hessen ist dadurch zu erklären, dass das Thema immer stärker aus dem Dunkelfeld geholt wird. Eine größere Anzeigebereitschaft macht die „Dunkelfeldaufklärung“ möglich. Die öffentliche Thematisierung wie in der landesweiten Brötchentütenaktion führen dazu, dass das Tabu und das Schweigen gebrochen werden und mehr Opfer häuslicher Gewalt den Mut haben, den Täter (87,4% männliche, 12,6% weibliche Tatverdächtige (4)) anzuzeigen. Im Jahr 2009 wurden im Landkreis Marburg Biedenkopf 237 Fälle häuslicher Gewalt erfasst. 53,6 % davon in Gemeinden und Städten mit weniger als 20.000 Einwohnern, 46,4 % in Marburg und Stadtallendorf. Vergleichbar mit den hessenweiten Zahlen sind mit 87,6 % die meisten Tatverdächtigen auch in unserer Region Männer. (5))

Die Veranstalter verfolgen neben der Sensibilisierung und Ächtung häuslicher Gewalt ein weiteres Anliegen. Nämlich eine ausreichende finanzielle Absicherung der Einrichtungen, die von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder unterstützen.

 

Kontaktadressen für die Pressemedien:

- Stabsstelle Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Marburg, 35035 Marburg, Tel. 06421/201-378, -346,
Telefax 201-560, E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@marburg-stadt.de, Internet: http://www.marburg.de/

- Kreisausschuss Marburg-Biedenkopf, Fachdienst: Presse- und Kulturarbeit, Im Lichtenholz 60, 35043 Marburg, E-Mail: pressestelle@marburg-biedenkopf.de, alle Pressemitteilungen unter http:// www.marburg-biedenkopf.de, Tel.: 06421 / 405-1273, Fax.: 06421 / 405-1276.
 

Fußnoten:
(1) Hessisches Landeskriminalamt, Jahresberichte Häusliche Gewalt / 2002-2009
(2) ebd.
(3) ebd.
(4) ebd.
(5) Polizeipräsidium Mittelhessen, Statistische Erhebung für den Landkreis Marburg-Biedenkopf 2009

 

  In der Bäckerei Leinweber in Holzhausen und in der Bäckerei Wagner in Marburg wurde am 20.11.2010 die Aktion "Gewalt kommt mir nicht in die Tüte" gestartet. Wie hier in Holzhausen findet die Aktion große Unterstützung (v.l.n.r): Landrat Robert Fischbach, Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt, Frauenbeauftragte Claudia Schäfer, Kreisbeigeordnete Ingrid Balzer, Horst Vaupel (Polizeipräsidium Mittelhessen), Ulrich Leinweber von der Bäckerei Leinweber und Klaus Heck (Obermeister der Bäckerinnung Biedenkopf).   Foto: Landkreis
In der Bäckerei Leinweber in Holzhausen und in der Bäckerei Wagner in Marburg wurde am 20.11.2010 die Aktion "Gewalt kommt mir nicht in die Tüte" gestartet. Wie hier in Holzhausen findet die Aktion große Unterstützung (v.l.n.r): Landrat Robert Fischbach, Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt, Frauenbeauftragte Claudia Schäfer, Kreisbeigeordnete Ingrid Balzer, Horst Vaupel (Polizeipräsidium Mittelhessen), Ulrich Leinweber von der Bäckerei Leinweber und Klaus Heck (Obermeister der Bäckerinnung Biedenkopf).
Foto: Landkreis

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