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Naturschutz - Artenschutz

Was ist Artenschutz?
Internationaler Artenschutz 
(Zuständigkeiten)
Nationaler Artenschutz (Zuständigkeiten)
Artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigungen
Artenschutzrechtliche Befreiung
Präparationsgenehmigung


Artengruppen
Amphibien
Fledermäuse
Wespen und Hornissen
Vögel


Was ist Artenschutz?
Die rechtlichen Vorschriften zum Artenschutz umfassen einerseits den „internationalen Artenschutz“, der hauptsächlich die Überwachung des internationalen Handel mit vom Aussterben bedrohten Tieren und Pflanzen regelt, und andererseits den „nationalen Artenschutz“. Dieser befasst sich mit dem Schutz und der Pflege der heimischen wild lebenden Tiere und wild wachsenden Pflanzen in ihrer natürlich und historisch gewachsenen Vielfalt.
 
 
Internationaler Artenschutz (Haltung, Zucht und Vermarktung von geschützten Arten)
Die internationalen Artenschutzbestimmungen regeln die Überwachung des Handels und die Besitzbestimmungen von gefährdeten und geschützten Tier- und Pflanzenarten sowie der aus ihnen erzeugten Produkte (z.B. Elfenbein). Weiterhin wird im internationalen Artenschutz der grenzüberschreitende Verkehr sowie die Vermarktung für alle EU-Staaten geregelt.

Die anwendbaren Rechtsgrundlagen sind
- das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) mit den dazu erlassenen EG-Verordnungen,
- die EU-Artenschutzverordnung,
- das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) sowie
- die Bundesartenschutzverordnung.
 
Zur Umsetzung wurden umfassende Kontrollmechanismen eingeführt, wie z.B. die Überprüfung der rechtmäßigen Herkunft der gehandelten oder gehaltenen Exemplare, die Ausstellung amtlicher Bescheinigungen zur Vermarktung von legal gezüchteten Tieren, die Erfassung und Auswertung von Tierbestandsmeldungen oder die Einführung einer Kennzeichnungsregelung für geschützte Tiere.
 
Zuständigkeiten:
Während das Bundesamt für Naturschutz (BfN) für die Erteilung von Ein- und Ausfuhrgenehmigungen von geschützten Arten zuständig ist (EG-Bescheinigungen zur Vermarktung, zum Transport oder im Fall der Ausfuhr), überwacht das Artenschutzdezernat des Regierungspräsidiums Gießen alle weiteren artenschutzrechtlichen Belange des internationalen Artenschutzes im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Sie kontrollieren, ob die artenschutzrechtlichen Kennzeichnungs-, Nachweis- und Dokumentationspflichten innerhalb des Landkreises eingehalten werden und erteilen die für die Vermarktung streng geschützter Arten erforderlichen EG-Bescheinigungen. Für die Genehmigung von Ein- und Ausfuhren ist das Bundesamt für Naturschutz zuständig (Bundesamt für Naturschutz, Konstantinstr. 110, 53179 Bonn, Telefon: 0228/8491-0, E-Mail: pbox-bfn@bfn.de ).
 
 
Nationaler Artenschutz

Grundsätzlich besteht für alle freilebenden Tiere und Pflanzen ein gesetzlicher Schutz, der u.a. besagt, dass kein Tier in seinem Lebensraum ohne vernünftigen Grund mutwillig beeinträchtigt, bzw. seine Lebensstätte zerstört werden darf.

Neben diesem sog. Grundschutz existiert der besondere Schutz von Arten für Pflanzen (z.B. Orchideen, Küchenschellen, Türkenbundlilie, Sonnentau oder die Weiße Seerose) und Tiere (z.B. Hornissen, Wildbienen, zahlreiche Insekten wie Käfer, Schmetterlinge und Heuschrecken, Amphibien, Reptilien und Säugetiere). Diese Arten stehen unter besonderem oder gar strengen Schutz.
Aufgabe des Artenschutzes ist es, für alle Arten, besonders für die gefährdeten, Erhaltungs-, Rückzugs- und Ausbreitungsgebiete zu schaffen. Der Schutz der Lebensräume stellt den Schlüssel zum erfolgreichen Artenschutz dar.
 
Der nationale Artenschutz umfasst
  • den Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt sowie ihrer Lebensstätten vor Beeinträchtigungen durch den Menschen (Zugriffsverbote, Störungsverbote, Verfälschung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt, etc.),
  • den Schutz, die Pflege, die Entwicklung und die Wiederherstellung ihrer Lebensstätten sowie die Sicherung ihrer sonstigen Lebensbedingungen (z.B. durch die Schaffung von Artenhilfsprogrammen) und
  • die Ansiedlung von Tieren und Pflanzen verdrängter, wild lebender Arten (z.B. Luchs) in geeigneten Lebensräumen innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes.

Die gesetzlichen Grundlagen für den Artenschutz finden sich:
- auf europäischer Ebene in der Vogelschutz- und FFH- Richtlinie
- auf Bundes- und Länderebene derzeit im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und in der Bundesartenschutzverordnung  (BArtSchV)  

Durch die Gesetze und Verordnungen auf Länder- bzw. Bundesebene werden auch die Vorschriften der europäischen Vogelschutz- sowie der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt.

Zuständigkeiten:
Neben dem allgemeinen Schutz von Pflanzen, Tieren und Lebensräu­men nach dem Hessischen Naturschutzgesetz fällt der nationale Artenschutz, d. h. der unmittelbare Vollzug des Bundesnaturschutzgesetzes in die Zuständigkeit der Unteren Naturschutzbehörden (UNB), die bei den Kommunen angesiedelt sind. Für den Landkreis Marburg-Biedenkopf liegt die Zuständigkeit demzufolge beim Fachdienst Wasser- und Naturschutz des Fachbereiches Bauen, Wasser- und Naturschutz. Dazu gehört insbesondere die Durchführung artenschutzrechtlicher Kontrollen, artenschutzrechtliche Anordnungen und artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigungen (z. B. zum Umsetzung von Hornissen-Nestern, Präparation von Totfunden oder auch die Entnahme besonders geschützter Tiere oder Pflanzen).
Ansprechpartner
 
 
Artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigungen
Bestimmte Tier- und Pflanzenarten sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders oder sogar streng geschützt. Beispielsweise ist das Fangen und Verletzen besonders geschützter Tierarten oder sogar das Stören bestimmter Arten während der Fortpflanzungszeit nicht zulässig. Unter bestimmten Voraussetzungen - etwa für wissenschaftliche Untersuchungen - können Ausnahmegenehmigungen erteilt werden.
 
Rechtsgrundlage für eine Ausnahme ist § 45 BNatSchG. Die nach Landesrecht zuständigen Behörden (Untere Naturschutzbehörde) kann nach § 45 (7) im Einzelfall weitere Ausnahmen von den Verboten des § 44 zulassen, soweit dies
  • zur Abwendung erheblicher land-, forst-, fischerei-, wasser- oder sonstiger gemeinwirtschaftlicher Schäden (z.B. Maulwurfschäden an Dammbauwerken)
  • zum Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt oder
  • für Zwecke der Forschung, Lehre oder Wiederansiedlung oder diesen Zwecken dienende Maßnahmen der Aufzucht oder künstlichen Vermehrung erforderlich ist (z.B.: Präparationen, faunistische und floristische Untersuchungen im Rahmen der Wissenschaft und Lehre)
  • im Interesse der Gesundheit des Menschen, der öffentlichen Sicherheit, einschließlich der Landesverteidigung und des Schutzes der Zivilbevölkerung oder der maßgeblich günstigen Auswirkungen auf die Umwelt oder
  • aus anderen zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses einschließlich solcher sozialer oder wirtschaftlicher Art.

Eine Ausnahme kann z.B. für die Entfernung von Hornissennestern an problematischen Standorten oder z.B. für die Zerstörung eines Lebensraumes der besonders geschützten Arten im Rahmen eines Bebauungsplanes erteilt werden.

 
 
Artenschutzrechtliche Befreiung
Rechtsgrundlage für eine artenschutzrechtliche Befreiung ist § 67 BNatSchG. Hier kann die Untere Naturschutzbehörde von den Verboten des § 44 auf Antrag Befreiung gewährt werden, wenn die Durchführung der Vorschrift im Einzelfall zu einer unzumutbaren Belastung führen würden.
Artenschutzrechtliche Befreiungen werden jedoch nur selten und in ganz besonderen privaten Einzelfällen ausgestellt.
 
Präparationsgenehmigung
Die Entnahme von tot aufgefundenen Tieren besonders geschützter Arten aus der Natur und ihre Präparation ist nach § 45 (7) Nr. 3 des Bundesnaturschutzgesetzes nur für Zwecke der Forschung und Lehre (z. B. Schule, Universität) zulässig. Das Bundesnaturschutzgesetz sieht keine Möglichkeit vor, eine Genehmigung für die Präparation zu privaten Zwecken zu erteilen.
In diesem Zusammenhang sind auch die Vorschriften des Bundesjagdgesetzes zu beachten. Tot aufgefundene Tiere die dem Jagdrecht unterliegen befinden sich im Eigentum der zur Jagd berechtigten Person, so dass eine Inbesitznahme strafrechtliche Folgen haben kann. Daher ist jeweils eine Einverständniserklärung über die Aneignung bei dem zuständigen Jagdausübungsberechtigten (Jagdpächter) einzuholen.
 
 
Amphibien 
Amphibien (Molche, Frösche, Kröten) gehören zu den besonders geschützten Tierarten (vgl. FFH-RL, BNatschG, BArtSchV). Alle Handlungen die diesem gesetzlich garantierten Schutz entgegenstehen, bedürfen einer gesonderten artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung seitens der zuständigen Naturschutzbehörde.
 
Amphibien erfüllen eine wichtige Aufgabe im Naturhaushalt. In ihrer natürlichen Umgebung stellen sie wichtige Glieder der Nahrungskette dar, einerseits als Insektenfresser und andererseits als Beutetier anderer bestandsbedrohter Arten (z.B. Störchen, Reihern, Greifvögeln etc.). Die Amphibienlarven – die sogenannten Kaulquappen – ernähren sich vor allem von Algen, toten Pflanzenbestandteilen und Kleinstlebewesen und leisten somit auch einen wesentlichen Beitrag bei der Selbstreinigung der Gewässer.
In der Regel sind Amphibien in ihrem Jahreszyklus auf zwei Lebensraumtypen angewiesen, den Land- und den Wasserlebensraum, und legen zwischen diesen beiden, zum Teil weite Strecken in der von Straßen zerschnittenen Landschaft zurück. Durch das immer höher werdende Verkehrsaufkommen unterliegen sie einer stetig zunehmenden Gefahr, bei ihren Herbst- und Frühjahrswanderungen beim Überqueren der Straßen überfahren zu werden. Mittlerweile sind die Amphibien in ihrem Bestand stark zurückgegangen, was mit der Zeit zu einer empfindlichen Störung des biologischen Gleichgewichts führt.
 
Maßnahmen des Amphibienschutzes:
  • Schutz vorhandener Lebensräume vor Zerstörung, Überbauung (z.B. Verdichtung des Straßen- und Wegenetzes) und Kanalisierung
  • Schaffung bzw. Einrichtung von „Ersatzlaichgewässern“
  • Bau von Amphibienleitanlagen (= dauerhaft installierte Zaunsysteme, die Amphibien zu festen Durchgängen unter der Straße leiten) entlang stark befahrener Straßen
  • Errichtung mobiler Zaunsysteme („Krötenzäune“) während der Hauptwanderungszeit
Amphibienleitanlagen bedürfen einer mehr oder weniger intensiven Überwachung. Gerade die mobilen Zaunsysteme müssen in den Hauptwanderungszeiten (Frühjahrs- und Herbstwanderung) intensiv gewartet werden. In der Regel kümmern sich ehrenamtliche Helfer der örtlichen Naturschutzgruppen um die Betreuung der Anlagen.
 
Fledermäuse
Fledermäuse gehören zur Gruppe der Säugetiere und sind im Wesentlichen nachtaktiv. Weltweit gibt es etwa 900 Fledermausarten, davon 37 in Europa. In Deutschland sind 24 Arten heimisch, die sich alle von Insekten ernähren.
Fledermäuse gehören nach EU-Recht zu den streng geschützten Anhang II/IV-Arten der FFH-Richtlinie (vgl. auch BNatSchG). Dementsprechend dürfen weder ihre Wohnstätten einfach zerstört noch vorhandene Tiere gestört oder gar getötet werden. Alle Handlungen, die dem gesetzlich garantierten Schutz zuwiderlaufen, bedürfen einer gesonderten artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung oder in Einzelfällen einer artenschutzrechtlichen Befreiung.
Die wesentlichen Gefährdungsursachen liegen in der Zerstörung bzw. dem Wegfall von geeigneten Quartieren (Wochenstubenquartiere, Winter- und Sommerquartiere etc.), starke Be- und Zerschneidung bis hin zum Verlust ihres Lebensraumes und in letzter Konsequenz Nahrungsmangel. Die Gefahr durch natürliche Feinde (wie z.B. Schleiereulen, Hauskatzen, Marder) ist in der Regel zu vernachlässigen.
Der dramatische Rückgang der Fledermausarten in Mitteleuropa und die akute Gefährdung der meisten Arten machen Schutzmaßnahmen bzgl. ihrer Quartiere und Lebensräume dringend erforderlich.
 
 
Wespen und Hornissen
Hornissen, Wildbienen und Hummeln sind durch das  Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Nester dieser geschützten Arten dürfen daher nur in Ausnahmefällen und nicht ohne vernünftigen Grund umgesiedelt und vernichtet werden.
Bei eventuellen Störungen und Beeinträchtigungen durch diese Tiere empfehlen wir daher, sich zunächst mit uns (der Unteren Naturschutzbehörde) in Verbindung zu setzen. Wir sind gerne bereit, Sie zu beraten, Ihnen Informationsmaterial zur Verfügung zu stellen und Ihnen wertvolle Tipps und Hilfestellungen zum Umgang mit Wespen und Hornissen zu geben. Oft kann auf den Einsatz von Giften oder auf aufwendige Vernichtungs- oder Umsetzmaßnahmen verzichtet werden, da kleine Maßnahmen lästige Störungen verhindern können.
Bei besonders geschützten Arten (Hornissen, Wildbienen, Hummeln) bedarf die Bekämpfung oder Entfernung der Tiere und Ihrer Nester einer Genehmigung, die bei der Unteren Naturschutzbehörde zu beantragen ist. Die Beseitigung ist nur durch ausgebildete, fachkundige Personen zulässig.
Der Landkreis Marburg-Biedenkopf verfügt inzwischen über ein ausgedehntes Beraternetz mit geschultem Personal, das Ihnen bei Bedarf gerne mit Rat und Tat zur Seite steht.
Für nähere Informationen zu diesem Thema klicken Sie hier.
 
Vögel (inklusive Link zur Vogelschutzwarte)
Als der Naturschutz sich Ende des 19. Jahrhunderts als gesellschaftliche Bewegung etablierte, spielte der Vogelschutz (vor allem als Schutz der „nützlichen“ heimischen Singvögel) eine zentrale Rolle. Auch wenn diese Bedeutung abnahm – mittlerweile stehen auch andere Artengruppen sowie die gesamte belebte Natur als „System“ im Mittelpunkt – nimmt der Vogelschutz immer noch einen besonders großen Raum ein. Dies äußert sich z.B. darin, dass es mit der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland eine eigene Fachbehörde für diese Artengruppe gibt (Adresse: Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, Steinauer Str. 44, 60386 Frankfurt, Tel.: 069/420105 – 0).
Die Vogelschutzwarte wiederum verfügt über ein Netz ehrenamtlicher Vogelschutzbeauftragter, die auch in unserem Landkreis für fast jeden Ort benannt wurden und bei Fragen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. (Die Adressen können in der UNB erfragt werden.)
Die besondere Bedeutung des Vogelschutzes zeigt sich auch im europäischen Naturschutz: Die wichtigsten rechtlichen Grundlagen des Naturschutzes der EU ist für alle Lebensräume, Pflanzen und Tiere mit Ausnahme der Vögel die FFH-Richtlinie und für die Vögel die Vogelschutzrichtlinie („Richtlinie 79/409/EG der EU-Kommission vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten“). Die Vögel verfügen damit im Vergleich mit anderen Artengruppen nicht nur über eine „eigene“ Richtlinie, sondern diese wurde auch 13 Jahre vor der FFH-Richtlinie erlassen.
Folge der Vogelschutzrichtlinie ist, dass für die Vogelarten spezielle EU-Vogelschutzgebiete erlassen werden, die den FFH-Gebieten stark ähneln und deshalb z.B. bei dort geplanten Eingriffen ebenfalls eine Verträglichkeitsprüfung verlangen.
FFH-Gebiete und EU-Vogelschutzgebiete – die sich durchaus überlappen können - bilden zusammen das europäische Schutzgebiets-Netz "Natura  2000". Auch große Teile unseres Landkreises gehören in dieses Netz.